Sind Apples goldene Zeiten schon vorbei?

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Was Tim Cook für die Zukunft plant

In diesen Tagen wird viel darüber spekuliert, wie sich Apple nach dem Ableben seines Mitbegründers Steve Jobs weiter entwickeln wird. Manche meinen, das kalifornische Unternehmen habe den Zenith seines Erfolges bereits überschritten und gehe bereits seinem baldigen Niedergang entgegen. Das Management mache zu viele Fehler, agiere orientierungslos und sei nicht mehr in der Lage, Innovationen hervor zu bringen. Erfahren Sie, was die aktuellen Weichenstellungen für die Anwender bedeuten und warum es für einen Abgesang noch zu früh ist.

Totgesagte leben länger

Keine andere IT-Firma wurde in ihrer Geschichte so oft für tot erklärt, wie Apple. Und jedes Mal, wenn sie vor schwierigen Herausforderungen stand, konnte sie mit innovativen Ideen und neuartigen Produkten ungeahnte Erfolge erzielen, die ihr zuvor kaum jemand zugetraut hatte. So wundert es nicht, dass sich auch jetzt wieder Stimmen mehren, die Apple in der Post-Steve-Jobs-Ära langsam aber sicher untergehen sehen.

Apples neue (alte) Führungsriege

Auch wenn es manche Experten und Analysten nicht wahr haben wollen, der Umbau der Chefetage weist klar auf eine Fortsetzung der unter Steve Jobs etablierten Philosophie hin: Das Produkt muss stets im Mittelpunkt allen Interesses stehen, nicht die Organisation. Doch das scheinen die Technokraten unter den Bloggern und Online-Redakteuren einfach nicht zu verstehen. Tim Cook hat die richtigen Leute an die Spitze des Unternehmens gesetzt und leitet gerade entscheidende Schritte ein, um den Konzern fit für die Zukunft zu machen.

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Jonathan Ive wird sich künftig nicht nur um das Hardware-Design der Apple-Produkte kümmern, sondern auch um die Human Interfaces. Gemeinsam mit seinem Team wird er für eine einheitlichere Gestaltung der Benutzer-Oberflächen bei Software und Diensten sorgen.

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Bob Mansfield wollte eigentlich in Rente gehen, der Hardware-Guru konnte aber zum Bleiben überredet werden und wird Leiter der neu gegründeten Sparte Technologies, die für Mobilfunk-Technik und Chip-Entwicklung zuständig ist.

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Dan Riccio übernimmt als Hardware-Chef den früheren Aufgabenbereich von Bob Mansfield, mit dem er bereits jahrelang zusammen gearbeitet hat. Riccio leitet nun die Entwicklungsteams für Mac, iPhone, iPad, iPod und neue Produkte.

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Craig Federighi ist neuer Software-Chef des Unternehmens. Unter seiner Leitung wird die Entwicklung der Betriebssysteme iOS, OS X und ihrer Nachfolger zusammen gefasst und neu strukturiert. Während früher verschiedene Teams nebeneinander arbeiteten, soll nun möglichst viel zentral koordiniert werden.

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Eddy Cue, zuvor schon Chef der Online-Sparte, übernimmt zusätzliche Aufgaben und ist nun für sämtliche Internet-basierte Software und Dienste von Apple zuständig, inklusive Siri und Maps.

Warum Scott Forstall und John Browett gehen mussten

Den Rausschmiss des bisherigen iOS-Chefs Scott Forstall halten manche Beobachter für einen Fehler - dabei war die Personalie längst überfällig. Der einstige Jobs-Liebling mag früher wertvolle Arbeit geleistet haben - immerhin entstand unter seiner Führung mit iOS das erfolgreichste Apple-Betriebssystem aller Zeiten - doch er scheint zu einem Problem für die Firma geworden zu sein.

Verschiedenen Berichten zufolge soll sich Forstall nach Steve Jobs' Rückzug aus der Firmenleitung zunehmend als dessen Nachfolger aufgespielt und einen wachsenden Hang zu Allüren gezeigt haben. So war er angeblich nicht bereit, öffentlich Mitverantwortung für die fehlerhafte Karten-App in iOS 6 zu übernehmen, obwohl die Anwendung eindeutig in sein Ressort gehört.

Ausserdem hat er angeblich mehrfach die Ideen Anderer als seine eigenen ausgegeben, während er Flopps, die er zu verantworten hatte, gern Dritten in die Schuhe schob. Zudem soll es häufig zu Auseinandersetzungen mit anderen Apple-Verantwortlichen wie Jonathan Ive und Bob Mansfield gekommen sein. Zuletzt sollen die beiden nur noch bereit gewesen sein, an Besprechungen mit Forstall teilzunehmen, wenn auch Tim Cook anwesend war.

Ein weiterer Abgang in der Konzernzentrale ist der erst in diesem Jahr zum neuen Retail-Chef gekürte John Browett, der sogleich mit drastischen Einsparungen beim Personal für Aufregung sorgte. Warum Tim Cook diesen Mann überhaupt geholt hat, bleibt ein Rätsel. Schliesslich war Browett bei der britischen Dixons Elektronikmarkt-Kette für genau diese Art von Kahlschlägen bekannt.

Kritik an Apple wächst

In letzter Zeit mehren sich kritische Stimmen zur aktuellen Firmenpolitik und den Aussichten des Unternehmens. Das Management mache zu viele Fehler, die es unter Steve Jobs' Führung so nicht gegebeten hätte, heisst es. Ausserdem sei die Firma ohne seinen charismatischen Vordenker nicht in der Lage, echte Innovationen wie das iPhone und das iPad hervor zu bringen. Doch angesichts des anhaltenden Erfolges und immer neuer Rekordergebnisse stellt sich die Frage, welche bahnbrechenden neue Produkte die Analysten und Kritiker derzeit eigentlich erwarten.

Ein ominöses neues Produkt, welches das Zeug hat, den TV-Markt aufzurollen, wurde ja bereits halb-offiziell in der Steve Jobs Biografie von William Isaacson angekündigt und dürfte in nicht allzu ferner Zukunft das Licht der Welt erblicken. Ausserdem werden die Verantwortlichen dafür sorgen, die Kundschaft zwischenzeitlich mit kleineren Upgrades bei Laune zu halten. Apple will allem Anschein nach zunächst seine unterschiedlichen Produkte weiter vereinheitlichen und es erst dann mit neuen Sensationen versuchen.

Der Plan: iOS und OS X verschmelzen

Laut Bloomberg möchte Tim Cook den Apple-Kunden bis zum Jahre 2017 ein „einheitliches Nutzererlebnis“ über sämtliche Plattformen hinweg bescheren - was eine nahezu vollständige Verschmelzung von iOS und OS X bedeuten könnte.

Medienberichten zufolge arbeitet man bei Apple bereits an einem erneuten Wechsel der Prozessor-Architektur für den Mac. Statt Intel-Prozessoren könnten in Zukunft stromsparende ARM-CPUs zum Einsatz kommen, wie sie bereits seit längerem in iPhones und iPads zu finden sind.

Die beim Umbau der Chefetage neu gegründete, von Bob Mansfield geleitete Abteilung soll „ambitionierte Halbleiter-Pläne“ verfolgen. Mansfield hat auch den Wechsel von IBM-/Freescale- zu Intel-Chips als verantwortlicher Entwicklungschef geleitet und verfügt über entsprechende Erfahrung. Der neuen Technologie-Sparte soll zudem eine erhebliche Anzahl an Mitarbeitern zugeteilt worden sein.

Hat der Mac noch eine Zukunft?

Eingefleischten Mac-Fans wird die Idee nicht gefallen, aber für Apple macht es durchaus Sinn, auf allen Geräten die gleiche Hard- und Software-Basis zu verwenden. Angesichts der Tatsache, dass sich der gesamte PC-Markt massiv Richtung Tablet- und Handheld-Devices bewegt, scheint die Zukunft des Mac ungewisser denn je.

Das 2013 erscheinende OS X 10.9 könnte bereits das letzte native Mac-Betriebssystem sein. Was danach kommen mag, lässt sich bislang nur erahnen. Apple wird den Macintosh nicht von einem Tag auf den anderen verschwinden lassen, aber die Grenzen zwischen Desktop- und Mobil-Geräten werden sich weiter verflüssigen. Am Ende wird ein neues, einheitliches Betriebssytem stehen, das nur in Details an die jeweilige Hardware angepasst ist.

Fazit

Apple wird auch weiterhin alles daran setzen, dem Image des technologischen Trendsetters gerecht zu werden. Die Welt ist derzeit vielleicht einfach noch nicht reif für weitere Revolutionen. Das Debakel mit dem Newton hat damals gezeigt, dass ein neues Produkt auch zum falschen Zeitpunkt auf den Markt kommen kann. Apple wird versuchen, diesen Fehler nicht noch einmal zu begehen.

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Bilder: Apple Inc; Text: Thomas Landgraeber

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