Alles über "Mastered for iTunes"

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Welche Vorteile bringt das spezielle Mastering?
Apple möchte die Klangqualität der Songs im iTunes Store verbesssern und bietet eine neue Abteilung mit speziell für die Wiedergabe auf Mac, PC und iOS-Devices optimierten Titeln: „Mastered for iTunes“. Es gibt dort bereits eine ganze Reihe von Alben und es sollen bald sehr viel mehr werden. Apple stellt allen Produzenten, die im iTunes Store anbieten, neue Audio-Tools zur Verfügung, die helfen sollen, Klangverluste auszugleichen, die bei der Datenreduktion auf Apples iTunes-Plus-AAC-Format entstehen. Was bringt das für „normale“ Musikfans - und was sollten Musiker, Tonmeister und Produzenten beachten?

Um was geht es eigentlich genau?
Die technische Entwicklung schreitet unaufhörlich voran, doch ausgerechnet bei der Audiowiedergabe sind die meisten von uns in den vergangenen Jahren qualitativ einige Schritte rückwärts gegangen. Statt CDs hören wir immer mehr datenreduziertes Material in Form von MP3- und AAC-Dateien, wie sie in den Online-Musikläden von Amazon, Apple, Musicload und Co. angeboten werden.

Auch wenn die allermeisten Musikfans mit der geringeren Klangqualität zufrieden zu sein scheinen, gibt durchaus noch Möglichkeiten für Verbesserungen. Apple geht wieder mal als erstes voran und startet eine Initiative für ein besseres Hörerlebnis. Dabei werden keine neuen Formate eingeführt, die womöglich mehr Speicherplatz benötigen, sondern die Produzenten sollen iTunes Plus möglichst optimal ausnutzen.

Aus Hi-Res wird Lo-Fi
Musikproduktionen werden in der Regel mindestens in „CD-Qualität“ erstellt, das heisst in 16 bit / 41.1 kHz. Seit Anfang des neuen Jahrtausends kommen immer häufiger hochauflösende Formate zum Einsatz. Mittlerweile ist 96 kHz / 24 bit sowas wie Indistriestandard. Vieles wird auch schon in 192 kHz / 24 bit produziert. Aufnahmen dieser Güte überzeugen in der Regel auch sehr kritische Hörer.

Warum dieser Aufwand? Je hochwertiger das Ausgangsmaterial ist, desto besser das Endergebnis. Wenn die vielen Einzelkanäle eines Songs zu einer Stereo-Masterspur zusammen gemischt werden, ist man froh über jedes erhalten gebliebene Detail. Schade, dass von der üppigen Klangpracht am Ende trotzdem nur wenig übrig bleibt.

Denn schon für den Verkauf der Musik auf CD muss alles auf eine Datenrate von 1411 kBit/s reduziert werden. So will es der CD-Standard. Wird auf HD-Formaten produziert, ist ausserdem Dithering und Downsampling angesagt. Da geht schon einiges an Detailtreue verloren.

Im Vergleich zu der Tortur, der sich Masters für den iTunes Store unterziehen müssen, ist das aber noch Luxus. Denn diese werden direkt auf eine Datenrate von lediglich 256kBit/s komprimiert - also auf gut ein Fünftel des CD-Standards. Das Resultat ist meist ein etwas glasiger, zuweilen auch lästiger Klang ohne grosse Tiefenwirkung und echte Brillianz.

Mögliche Übergangslösung
Anspruchsvollen Musikfreunde wünschen sich seit langem, Apple würde alle Songs im iTS wahlweise auch in einem verlustfreien Audioformat wie FLAC oder Apple Lossless anbieten. Solche Codecs liefern volle CD-Qualität und verringern die Dateigrössen im Vergleich zu AIFF-Files immerhin um bis zu 50 Prozent.

Echte HiFi-Freaks sind vermutlich auch bereit, höhere Preise zu zahlen, wenn die Qualität den Original-Alben gleicht. Doch es ist fraglich, ob es im iTS jemals verlustfrei komprimierte Audiodateien mit CD-ähnlichen Spezifikationen geben wird.

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Der Apple Weg
In Cupertino hat man offenbar andere Pläne. Es sieht derzeit jedenfalls nicht so aus, als wäre „Lossless“ Apples nächstes grosses Ding. Solange der Speicherplatz auf iDevices knapp ist und die meisten Kunden den Klangunterschied zwischen CD und AAC oder MP3 ohnehin kaum wahrnehmen, macht es wenig Sinn, entsprechende Angebote zu starten.

Mit der fortschreitender technischen Entwicklung werden in den nächsten Jahren die Ansprüche an die Klangqualität jedoch steigen. Möglicherweise wartet Apple noch eine Weile und macht dann direkt den Schritt zu hochauflösender Wiedergabe. „Full HD Audio“ wirkt im Marketing auch besser, als „Endlich so gut wie die CD anno 1983“. Und vielleicht haben uns die Forscher bis dahin auch neue Audio-Codecs beschert, die in der Lage sind, die gigantischen HD-Dateien auf hosentaschen-freundliche Dimensionen zu verkleinern - ohne irgendwelche Kompromisse eingehen zu müssen.

Bis es soweit ist, möchte Apple den Klang der AAC-Files mit vergleichsweise einfachen Mitteln verbessern. Mit einer Qualitätsinitiative sollen Content-Anbieter dazu angehalten werden, ein möglichst hohes klangliches Niveau zu erzielen. Apple hat dafür technische Richtlinien und Audio Mastering Tools online gestellt.

Was bringt „Mastered for iTunes“ dem Anwender?
Mit Slogans wie „Musik erleben, wie sie von Künstlern und Tonmeistern gedacht war“ und „Alben mit dem Label „Mastered for iTunes” sind speziell auf den Hi-Fi-Sound von Computern, Stereoanlagen und allen Apple-Geräten abgestimmt“ versucht Apple ein wenig davon abzulenken, dass gutes Mastering und eine professionelle, auf das jeweiligen Zielformat abgestimmte Endfertigung eigentlich Standard sein sollten.

Leider sieht es in der Praxis meist anders aus. Der enorme Kostendruck hat dazu geführt, dass sich nur noch grosse, gut budgetierte Produktionen richtiges Mastering-Fachpersonal mit standesgemässen Facilities leisten. Die meisten Songs werden mittlerweile von Musikern, Produzenten und Teilen der Crew selbst gemastert. Oder von befreundeten Misch-Tonmeistern gegen kleines Geld oder irgendwelche Gefälligkeiten.

Nicht immer werden die Ergebnisse den besonderen Anforderungen gerecht, die hohe Datenkompression an das Material stellen. Hier greift Apple nun mit dem Prädikat „Mastered for iTunes“ ein. Die mit den Tools erstellten Werke sind automatisch qualifiziert und werden auf einer Sonderseite des iTunes Store präsentiert.

Apple hofft, dass künftig möglichst viele neuen Alben mit den zur Verfügung gestellten Verfahren bearbeitet werden. Die Kunden sollen so von höheren Standards profitieren. Ob die Initiative tatsächlich in jedem einzelnen Fall zu einer hörbaren Klangverbesserung führen wird, bleibt aber fraglich. Schliesslich können diese Tools keine Wunder vollbringen. Miserable Aufnahmen und schlechte Mischungen werden dadurch auch nicht besser. Es werden lediglich die durch die heftige Kompression entstehenden Schäden etwas abgemildert.

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Was sollten Musiker, Produzenten und Tonmeister beachten?
Apple rät Content-Anbietern, mindestens mit 96 kHz / 24 bit zu produzieren. Die Apple Audio Mastering Tools sind speziell darauf ausgelegt, HD-Material in einem zweistufigen Verfahren zu komprimieren. Zunächst wird ein 32-bit-Intermediate-File erzeugt, was Qualitätsverluste bei der Konvertierung verhindern soll. Daraus wird dann im zweiten Schritt das iTunes-Plus-AAC-Master erstellt.

Die Apple Audio Mastering Tools bestehen aus drei Komponenten. Das AURoundTripAAC ist ein Audio-Unit-Plugin, das einen direkten Hörvergleich der Original-Audiodatei mit der AAC-Konvertierung erlaubt. Ausserdem zeigt es Spitzenpegel und eventuell vorhandene Verzerrungen an.

Das Plugin kann in jeder Audio-Unit-kompatiblen Host-Anwendung geladen werden, also z.B. in Logic. Wer über kein solches Programm verfügt, kann AU Lab verwenden, das Bestandteil der Apple Entwicklerwerkzeuge ist. Lion-User können sich diese kostenlos aus dem Mac App Store herunterladen. Wer Snow Leopard nutzt, findet sie auf der Installations-DVD.

Das ebenfalls mitgelieferte iTunes Master Droplet ermöglicht einen flotten Workflow. Vorbereitete Premasters können einfach darauf abgeworfen werden, die entsprechende Hostanwendung startet automatisch. Die dritte Komponente ist afclip - ein kleines Kommandozeilen-Tool zum schnellen Aufspüren von Clippings.

Apple schreibt die Verwendung dieser Audio-Tools nicht zwingend vor, legt sie aber allen Anbietern nahe, die im iTS vertreten sind. Die zur Anwendung kommenden Verfahren sollen ein hohes Maß an Klangqualität und Detailtreue erhalten und das Material speziell für die Wiedergabe auf Mac, PC und iOS-Geräten optimieren. Eine 10-seitige PDF-Dokumentation informiert über weitere Details.

Lob und Kritik
In der neuen „Mastered for iTunes“ Abteilung gibt es bereits eine ganze Reihe älterer Alben von Madonna, U2, Paul McCartney, John Coltrane und anderen Künstlern. Während viele Anwender einen schöneren, transparenteren Klang festzustellen meinen, stösst das Remastering älterer Aufnahmen bei manchen Musikfans und auch bei einigen Tonmeistern auf teils heftige Kritik.

Ist es legitim, Hand an ältere Werke zu legen, um das Hörerlebnis auf einer qualitativ unterlegenen, proprietären Plattform im Nachhinein künstlich aufzuhübschen? Diese Diskussion wird die Szene wohl noch einige Zeit beschäftigen. Was haltet Ihr davon?

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Illustration: Apple Inc; Text: Thomas Landgraeber
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